Wildschwein á la Marlies

Wild, wilder, Wildschwein! Obwohl ich persönlich nicht der allergrößte Fan von Schweinefleisch bin muss ich sagen, dass ein gutes Stück Wildschwein mich und meinen Gaumen jedes Mal wieder verzückt. Besonders im Herbst wenn die Wildsaison ihren Lauf nimmt kann ich nicht umher ein Stück von diesem edlen Tier zu verarbeiten. Seit ich jedoch in Holyoak wohne ist es schon fast Tradition Wildschwein auf den Teller zu zaubern. Bei uns sind Wildschweine auf den Feldern zu sehen wie Tauben am Dach in den Städten. Ein sehr spannendes Gefühl, wenn die Laufeinheit auf einmal viel schneller wird, durch die Sichtung eines kleinen Frischlings.

Wildschwein Damen (Bachen) sind bekannt für ihre Aggressivität wenn es um ihre Babies (Frischlinge) geht. Solltest du also einem Frischling über den Weg laufen, rate ich dir schnellstmöglich weiter zu gehen (besser laufen), denn du willst sicher nicht eine aggressive Mama Wildschwein erleben. Der vielleicht beste Pace-Maker aller Zeiten!

Wildschwein a la wer?

Warum heißt diese Zubereitung des Wildschweins denn nun „Wildschwein a la Marlies“? Nun, das ist so…Marlies ist das entzückende kleine Nachbarsmädchen, dessen Eltern mich und Mr.P. auf den Geschmack von wilder Sau gebracht haben. Aber nicht nur deswegen wird dieses Gericht diesem kleinen Grinsekeks gewidmet. Als Marlies im Oktober geboren wurde, kam die Nachbarschaft zusammen um den frisch gebackenen Papa anzuloben – eine Tradition die ich als Stadtpflanze natürlich nicht kannte. Durch das Papa anloben, lernten wir gleich mal viele Nachbarn kennen und lieben. Marlies Mama macht das beste Wildschweindal – egal in welcher Form – weit und breit und der Onkel der kleinen Marlies ist der Jäger, der dafür sorgt, dass dieses gute Stück Wildschwein überhaupt auf den Tisch kommt. Außerdem ist im Oktober bereits Wild Hochsaison und somit ergab sich die Namensgebung fast wie von selbst.

Zutaten

  • 600-700 g Wildschwein egal welches Stück
  • 10 Pflaumen hier Dörrpflaumen – 3 für die Füllung, Rest für die Soße
  • 2-4 Feigen (idealerweise frisch) je nach Größe – 1 für die Füllung, Rest für die Soße
  • 1 Flasche Rotwein Rebe nach Gusto – hier Zweigelt
  • 5 Zehen Knoblauch oder mehr – je nach Gusto
  • 2 Orangen 1 für die Füllung, Rest für die Soße
  • 5 Karotten
  • 2 rote Zwiebeln
  • 250 ml Rindsuppe
  • Polenta
  • 4-5 Stängel Rosmarin
  • 2-3 Stängel Thymian
  • Wildgewürz
  • Rosa Beeren

Anleitungen

  • Backofen auf 160°C Heißluft vorheizen
  • Knoblauch zerkleinern und zu einer feinen Paste hacken
  • Karotten, Zwiebel, Feigen, Pflaumen zerkleinern und die Orangen filetieren
  • Je nach Fleischstück wird das Fleisch entweder eingerollt oder mit den Füllungen gespickt:
- Orangenfilets
- Feigenstücke
- Pflaumenstücke
  • Wildschwein würzen:
- mit Knoblauch und dem Wildgewürz bestreichen
- salzen
- Rosmarin darüber
  • Suppe in eine Ofenform gießen und das fertig präparierte Wildschwein dazu legen
  • Gemüse, Früchte, Kräuter und rosa Beeren in der Flüssigkeit rund um das Wildschwein verteilen
  • Einen guten Schluck Rotwein dazu! Je nach Gusto und Intensität. Nicht die gesamte Flasche dazu leeren, denn es soll ja immer wieder ein frischer Schluck während des Bratens dazu kommen und du selbst, darfst dir während der Zeit im Ofen auch 1/8 genehmigen
  • Ab ins vorgeheizte Rohr für ca 1,5 Stunden. Etwa alle 20 Minuten einen frischen Schluck Rotwein über das Fleisch gießen und zusätzlich mit dem Bratensaft aus der Ofenform ebenfalls übergießen.
  • Während das Wildschwein im Rohr ist, wird die Polenta in Angriff genommen! Polenta nach Packungsanleitung zubereiten und mit Salz, rosa Beeren und ein wenig Wildschweingewürz verfeinern. Nach belieben noch einen Schuss Rotwein dazu geben.
  • Fertige Polenta auf einem Backblech ausstreichen und Kräuter auf der Polenta verteilen (hier Rosmarin und Thymian)
  • Je nach gewünschter Knusprigkeit, die ausgestrichene Polenta zum Wildschwein ins Rohr schieben und mitbacken lassen. Je länger die Polenta im Rohr ist, desto knuspriger wird sie. Hab sicherheitshalber immer ein Aug auf die Polenta, denn am Ende kann es schnell gehen und sie ist nur mehr hart!
  • Nach etwa 1,5 Stunden wird das Fleisch aus der Ofenform genommen und die Soße püriert. Wer gerne ein paar Fruchtstücke in der Soße hat, der nimmt diese aus der Form und püriert nur den Rest.

Voilá! Wildschwein, Polenta und Soße auf einem Teller anrichten und fertig ist das fruchtig, herbstliche Wildschwein! Ein gutes Glas Wein dazu – zum Beispiel der Wein in dem auch schon das Wildschwein lag – und fertig ist die einfach und dennoch außergewöhnliche Leckerei aus dem Ofen. Perfekt für den Herbst 🙂

Natürlich gibt es auch bei diesem Gericht wieder ein Video, dass in Zusammenarbeit mit EP Austria entstanden ist 🙂 Andere Gerichte mit EP freuen sich übrigens auch wenn du vorbei schaust! Darunter das Karotten-Honig Huhn mit Wurzeltalern oder das Regenbogengemüse, der Spargelsalat oder auch das Bierfleisch

Der Jäger, der Bauer und das wilde Schwein

Ja mir ist bewusst, dass diese Tiere, so wie alle Tiere, nicht im Supermarkt wachsen sondern unter fairen Bedingungen geschossen werden! Allerdings ist es mir 100 mal lieber ich hab ein gutes Stück Wildschwein am Teller von einem Tier, dass bis zuletzt artgerecht durch den Wald/über die Wiese geflitzt ist und nur das beste Futter bekommen hat, als ich paniere mir ein Mastschwein, dass womöglich unter schlimmen Bedingungen leben musste bis es einen qualvollen Tod starb. Auch der Preis, der sich für das Wildschwein ergibt, ist zwar höher als der einer Mastsau, allerdings sollten wir alle unseren Fleischkonsum in soweit überdenken, als dass wir nicht täglich Fleisch essen mit einem Kilopreis von 4€/kg. In meinen Augen macht es mehr Sinn einen höheren Preis für Fleisch zu zahlen und dafür den Fleischkonsum im Allgemeinen zu reduzieren. Durch immer billiger werdendes Fleisch zwingen wir die Bauern fast schon zu immer billigeren Lebensstandards für die Tiere! Denn wie soll ein Schweinebauer artgerechte Lebensbedingungen schaffen, wenn er das Fleisch billig verkaufen muss um am Markt mithalten zu können und selbst auch noch sein Einkommen sichern muss?
Qualität vor Quantität!

Lasst euch das Wildschwein gut schmecken und genießt den Herbst! 
Schaut gerne auch auf Instagram und Facebook vorbei 😉

Liebe Grüße von der Oberwildsau,
Lela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.